Investitionsrechnung

Investitionsrechnung ⇒ Definition & Erklärung

Die Investitionsrechnung hilft Unternehmen dabei, die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität von Investitionen zu bewerten, um wichtige Entscheidungen treffen zu können.

Investitionsrechnung - auf einen Blick

Wissen kompakt zusammengefasst

  • Investitionsrechnungen sind essenziell für fundierte Entscheidungen über anstehende Investitionen und ermöglichen Unternehmen, verschiedene Investitionsalternativen unter Berücksichtigung von Kosten, Erträgen, Risiken und zeitlichen Aspekten zu vergleichen.

  • Statische Investitionsrechnungsverfahren, wie die Kostenvergleichsrechnung und die Gewinnvergleichsrechnung, bieten einen einfachen Ansatz zur Bewertung von Investitionsprojekten, vernachlässigen jedoch zeitliche Aspekte und den Zeitwert des Geldes.

  • Dynamische Investitionsrechnungsverfahren, wie die Kapitalwertmethode, die Annuitätenmethode und die interne Zinsfußmethode, berücksichtigen den Zeitwert des Geldes, die Abzinsung von Zahlungsströmen und die unterschiedliche Nutzungsdauer von Investitionsgütern, um eine genauere Bewertung von Investitionsalternativen zu ermöglichen.

Was ist eine Investitionsrechnung?


Die Investitionsrechnung ist ein wirtschaftliches Verfahren, das dazu dient, die Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten zu bewerten und somit fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen.

  • Dabei werden verschiedene Investitionsrechenverfahren angewendet, um die Rentabilität und Wirtschaftlichkeit von geplanten Investitionsvorhaben zu ermitteln.

Wozu wird eine Investitionsrechnung benötigt?

Investitionsrechnungen sind ein zentraler Bestandteil der Investitionsplanung, da sie Entscheidungsträgern dabei helfen, die bestmögliche Auswahl aus verschiedenen Alternativen zu treffen.

  • Sie ermöglichen es, die finanziellen Auswirkungen von Investitionen, wie z. B. den Kauf von Maschinen, die Neuanschaffung von Anlagen oder die Finanzierung von Projekten, abzuschätzen.

Im Rahmen der Investitionsrechnung werden die Kosten, die einem Unternehmen durch die Durchführung von Investitionsprojekten entstehen, den erwarteten Zahlungsströmen gegenübergestellt.

  • Ziel dabei ist es, die Projekte zu identifizieren, die den größten Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg leisten.

  • Die Verfahren der Investitionsrechnung berücksichtigen dabei sowohl statische als auch dynamische Aspekte, um ein möglichst genaues Bild der langfristigen Konsequenzen einer Investitionsentscheidung zu erhalten.

Die Investitionsrechnung unterstützt Unternehmen dabei, ihre Sorgfaltspflicht gemäß § 93 Aktiengesetz (AktG) gegenüber ihren Aktionären und Partnern wahrzunehmen.

  • Durch die systematische Bewertung von Investitionsprojekten werden Risiken minimiert und Chancen besser ausgeschöpft.

Arten der Investitionsrechnung im Überblick


Eine Investitionsrechnung kann auf die folgenden zwie Grundarten durchgeführt werden. Dabei gibt es je Grundarten unterschiedliche Verfahren der Investitionsrechnung:

Statische Investitionsrechnung:

  • Kostenvergleichsrechnung: Vergleicht die Kosten verschiedener Investitionsalternativen.

  • Gewinnvergleichsrechnung: Vergleicht den erwarteten Gewinn verschiedener Investitionsalternativen.

  • Rentabilitätsvergleichsrechnung: Vergleicht die Rentabilität verschiedener Investitionsalternativen.

  • Amortisationsrechnung: Bestimmt die Zeitspanne, in der die Investitionskosten durch die erwarteten Zahlungsströme gedeckt werden.

Dynamische Investitionsrechnung:

  • Kapitalwertmethode: Berechnet den Kapitalwert der erwarteten Zahlungsströme einer Investition, abzüglich der anfänglichen Investitionskosten.

  • Interne Zinsfußmethode: Ermittelt den internen Zinssatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition null beträgt.

  • Annuitätenmethode: Berechnet die jährliche Annuität (gleichbleibende Zahlungen), die dem Kapitalwert der Investition entspricht.

Das statische Verfahren im Detail

Statische Investitionsrechnungsverfahren sind einfache und leicht verständliche Methoden zur Beurteilung von Investitionsprojekten.

  • Sie basieren auf einer einmaligen Betrachtung der Investition und berücksichtigen keine zeitlichen Aspekte, wie z. B. Zinsen oder Inflation.

  • Statische Verfahren bieten einen einfachen Ansatz zur Bewertung von Investitionsprojekten, allerdings sollten sie wegen ihrer begrenzten Aussagekraft durch dynamische Verfahren ergänzt werden, die Zeitwerte und Risiken besser berücksichtigen können.

Kostenvergleichsrechnung:

Im Rahmen der Kostenvergleichsrechnung werden sämtliche Kosten verschiedener Investitionsalternativen methodisch direkt miteinander verglichen.

  • Ziel ist es, diejenige Alternative zu identifizieren, die die geringsten Kosten verursacht.

  • Dieses Verfahren eignet sich besonders für Investitionen, bei denen die Erträge schwer quantifizierbar sind, beispielsweise bei der Anschaffung von Maschinen oder Fahrzeugen.

Gewinnvergleichsrechnung:

Die Gewinnvergleichsrechnung ist eine Methode, die den erwarteten Gewinn verschiedener Investitionsalternativen vergleicht.

  • Dabei werden sowohl die Kosten als auch die Erträge der Alternativen betrachtet.

  • Die Investition mit dem höchsten Gewinn wird als die vorteilhafteste angesehen.

  • Diese Methode ist besonders geeignet, wenn die Erträge aus Investitionen leicht quantifizierbar sind, z. B. bei Produktionsanlagen.

Amortisationsrechnung:

Die Amortisationsrechnung ermittelt die Zeitspanne, innerhalb derer sich eine Investition durch die erwarteten Zahlungsströme selbst trägt.

  • Dabei werden die Anschaffungskosten der Investition den erwarteten Einnahmen gegenübergestellt, um herauszufinden, wie lange es dauert, bis die Investitionskosten gedeckt sind.

  • Investitionen mit einer kürzeren Amortisationszeit werden als vorteilhafter angesehen.

Rentabilitätsvergleichsrechnung:

Die Rentabilitätsvergleichsrechnung beurteilt die Rentabilität verschiedener Investitionsalternativen, indem das Verhältnis von Gewinn zu eingesetztem Kapital berechnet wird.

  • Die Alternative mit der höchsten Rentabilität wird als die vorteilhafteste angesehen.

  • Diese Methode eignet sich, um Investitionsalternativen hinsichtlich ihrer Effizienz in Bezug auf den Kapitaleinsatz zu vergleichen.

Das dynamische Verfahren im Detail

Dynamische Investitionsrechnungsverfahren bieten gegenüber statischen Verfahren den Vorteil, dass sie die zeitliche Dimension von Investitionsprojekten berücksichtigen.

  • Sie ermöglichen eine genauere Bewertung von Investitionsalternativen, indem sie den Zeitwert von Geld, die Abzinsung von Zahlungsströmen und die unterschiedliche Nutzungsdauer von Investitionsgütern in die Analyse einbeziehen.

Kapitalwertmethode:

Die Kapitalwertmethode ist ein Rechenverfahren, das den Barwert der erwarteten Zahlungsströme eines Investitionsprojekts ermittelt und diesen mit den anfänglichen Investitionskosten vergleicht.

  • Ein positiver Kapitalwert zeigt an, dass die Investition einen Überschuss an Zahlungsströmen erwirtschaftet und somit für den Investor vorteilhaft ist.

  • Diese Methode ermöglicht es, eine Übersicht über die finanzielle Attraktivität verschiedener Investitionsprojekte zu erhalten und unterstützt die Entscheidungsfindung auf Basis dieser Daten.

Annuitätenmethode:

Die Annuitätenmethode berechnet den gleichbleibenden jährlichen Betrag (Annuität), der über die gesamte Nutzungsdauer der Investition dem Kapitalwert entspricht.

  • Dadurch können Investitionsprojekte mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zahlungsströmen miteinander verglichen werden.

  • Investitionen mit höheren Annuitäten gelten als vorteilhafter.

  • Zielbeiträge, wie z. B. geplante Erträge, können mit dieser Methode ebenfalls in die Analyse einbezogen werden.

Interne Zinsfußmethode:

Die interne Zinsfußmethode ermittelt den Diskontsatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition gleich null ist.

  • Dieser Zinssatz, auch interner Zinsfuß genannt, stellt die Rendite dar, die ein Investitionsprojekt erzielt.

  • Investitionen mit höheren internen Zinsfüßen sind für den Investor attraktiver.

  • Diese Methode ermöglicht es, Investitionsprojekte hinsichtlich ihrer Rentabilität und Zielgröße zu vergleichen und Entscheidungen auf Grundlage dieser Informationen zu treffen.

So kann die Investitionsrechnung bei wichtigen Entscheidungen im Unternehmen helfen


Investitionsrechnungen sind wichtig, um fundierte Entscheidungen über anstehende Investitionen zu treffen.

Sie ermöglichen es Unternehmen, verschiedene Investitionsalternativen unter Berücksichtigung von …

  • Kosten,
  • Erträgen,
  • Risiken
  • und zeitlichen Aspekten zu vergleichen.

Praxisbeispiel 1 – Statische Investitionsrechnung:

Die fiktive Firma „AlphaTech GmbH“ möchte in eine neue Produktionsmaschine investieren und hat zwei Alternativen zur Auswahl:

  • Maschine A und Maschine B.

Um die beste Entscheidung zu treffen, führt AlphaTech eine statische Gewinnvergleichsrechnung durch.

Die Anschaffungskosten betragen:

  • Maschine A: 100.000 EUR
  • Maschine B: 150.000 EUR

Die jährlichen Erträge und Kosten sind wie folgt:

  • Maschine A: Erträge 60.000 EUR, Kosten 30.000 EUR
  • Maschine B: Erträge 90.000 EUR, Kosten 40.000 EUR

Die Gewinne der beiden Maschinen werden berechnet:

  • Maschine A: 60.000 EUR (Erträge) - 30.000 EUR (Kosten) = 30.000 EUR (Gewinn)

  • Maschine B: 90.000 EUR (Erträge) - 40.000 EUR (Kosten) = 50.000 EUR (Gewinn)

Obwohl Maschine B teurer in der Anschaffung ist, bietet sie einen höheren Gewinn. Daher entscheidet sich AlphaTech für Maschine B.

Praxisbeispiel 2 – Dynamische Investitionsrechnung:

Die fiktive Firma „BetaSolar AG“ plant, in eine Photovoltaikanlage zu investieren. Es gibt zwei Alternativen:

  • Anlage X und Anlage Y.

Um die beste Entscheidung zu treffen, führt BetaSolar eine dynamische Investitionsrechnung mittels der Kapitalwertmethode durch.

Die Anschaffungskosten betragen:

  • Anlage X: 200.000 EUR
  • Anlage Y: 250.000 EUR

Die jährlichen Zahlungsströme und Nutzungsdauer sind:

  • Anlage X: 30.000 EUR für 10 Jahre
  • Anlage Y: 40.000 EUR für 12 Jahre

Der Abzinsungssatz beträgt 5 %, also rechnen wir:

  • Barwert = (Zahlungsstrom / (1 + Abzinsungssatz)^t)

Der Kapitalwert (Barwert) der Zahlungsströme wird berechnet:

Anlage X: (30.000 EUR / (1 + 0,05)^t) für t = 1 bis 10 = 230.808 EUR

  • 1. Jahr: 30.000 EUR / (1 + 0,05)^1 = 28.571 EUR

  • 2. Jahr: 30.000 EUR / (1 + 0,05)^2 = 27.210 EUR

  • 10. Jahr: 30.000 EUR / (1 + 0,05)^10 = 18.411 EUR

  • Addiere die Barwerte für jedes Jahr, um den Gesamtbarwert zu erhalten: 28.571 € + 27.210 EUR + … + 18.411 EUR = 230.808 EUR

Anlage Y: (40.000 EUR / (1 + 0,05)^t) für t = 1 bis 12 = 344.155 EUR

  • 1. Jahr: 40.000 EUR / (1 + 0,05)^1 = 38.095 EUR

  • 2. Jahr: 40.000 EUR / (1 + 0,05)^2 = 36.281 EUR

  • 12. Jahr: 40.000 EUR / (1 + 0,05)^12 = 22.284 EUR

  • Addiere die Barwerte für jedes Jahr, um den Gesamtbarwert zu erhalten: 38.095 EUR + 36.281 EUR + … + 22.284 EUR = 344.155 EUR

Der Nettokapitalwert (Kapitalwert abzüglich Anschaffungskosten) ergibt sich zu:

  • Anlage X: 230.808 EUR - 200.000 EUR = 30.808 EUR
  • Anlage Y: 344.155 EUR - 250.000 EUR = 94.155 EUR

Da Anlage Y einen höheren Nettokapitalwert aufweist, ist sie aus finanzieller Sicht die vorteilhaftere Investition für BetaSolar AG.

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Fragen und Antworten

Eine Investitionsrechnung ist eine wirtschaftliche Analyse, die dazu dient, die Rentabilität von geplanten Investitionen zu bewerten. Sie berücksichtigt verschiedene Faktoren wie Investitionskosten, erwartete Erträge und Risiken. Dadurch hilft sie Entscheidungsträgern, fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen und das verfügbare Kapital effizient zu nutzen.

Zu einer Investitionsrechnung gehören verschiedene Methoden und Verfahren, die bei der Beurteilung von Investitionen angewendet werden. Dazu zählen statische Verfahren, wie die Kostenvergleichsrechnung, die Gewinnvergleichsrechnung und die Amortisationsrechnung, sowie dynamische Verfahren, wie die Kapitalwertmethode, die interne Zinsfußmethode und die Annuitätenmethode.

Neben diesen Methoden spielen auch Faktoren wie die Investitionskosten, die erwarteten Cashflows, die Risikobewertung und der Zeitwert des Geldes eine wichtige Rolle in der Investitionsrechnung.

Es gibt verschiedene Verfahren der Investitionsrechnung, die sich in statische und dynamische Verfahren unterteilen lassen.

Statische Verfahren:

  1. Kostenvergleichsrechnung: Vergleicht die Kosten verschiedener Investitionsalternativen.
  2. Gewinnvergleichsrechnung: Vergleicht die erwarteten Gewinne aus verschiedenen Investments.
  3. Rentabilitätsvergleichsrechnung: Berechnet und vergleicht die Rentabilität verschiedener Investitionsalternativen, um diejenige mit der höchsten Rentabilität in Bezug auf die Investitionskosten auszuwählen.
  4. Amortisationsrechnung: Ermittelt die Zeitdauer, bis eine Investition ihre Kosten durch den erzielten Gewinn zurückverdient hat.


Dynamische Verfahren:

  1. Kapitalwertmethode (Net Present Value, NPV): Ermittelt den Barwert der erwarteten Cashflows einer Investition abzüglich der Anfangsinvestition.
  2. Interne Zinsfußmethode (Internal Rate of Return, IRR): Berechnet den Diskontsatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition null wird.
  3. Annuitätenmethode: Vergleicht Investitionen, indem sie den durchschnittlichen jährlichen Zahlungsstrom (Annuität) ermittelt, der sich aus dem Kapitalwert ergibt.

Die Investitionsrechnung ist ein wichtiges Werkzeug, das Firmen bei der Bewertung von Investitionsmöglichkeiten zur Hand geht. Sie analysiert verschiedene Aspekte wie Kosten, Gewinne und Risiken, um herauszufinden, welche Investitionen am vorteilhaftesten sind.

Quellen